Andreas Lange streift durch die Dunkelheit

Nachts alleine in einem Park oder an einem verlassenen Ort. Es gibt sicherlich für viele von uns angenehmere Vorstellungen. Der Bad Driburger Fotograf Andreas Lange von Andreas L. Photographie sucht hingegen mit seiner Freundin und seinem Urbex Höxter-Team genau diese Atmosphäre auf, um seine spannenden Fotos aufzunehmen. Kürzlich überraschte er uns mit interessanten Nachtaufnahmen aus dem Gräflichen Park. Für uns Grund genug, mit dem 31-Jährigen zu sprechen.

Gräflicher Park: „Herr Lange, Was macht die Nacht besonders?“

Andreas Lange: „Das Licht und die Atmosphäre. Das alte Mühlenrad, der Rathausplatz in Bad Driburg oder nun der Gräfliche Park, sie alle haben noch einmal eine ganz eigene Wirkung, wenn es dunkel ist.“

GP: „Wie lange sind Sie schon nachts unterwegs?“

Lange: „Ich fotografiere seit 15 Jahren. Die Idee gezielt nach besonderen Orten, so genannten Lost Places zu suchen, hatten meine Freundin und ich vor eineinhalb Jahren. Da kam dann schnell das Bedürfnis dazu, Orte auch mal nachts abzulichten. Gerade in Bad Driburg laufen wenige Leute mit der Kamera herum. Wenn ich dann ein positives Feedback zu meinen Bildern bekomme, dann gibt mir das eine große Motivation weiterzumachen.“

GP: „Rund um Lost Places gibt es deutschlandweit und international eine Fotocommunity. Decken Sie den Raum Höxter ab?“ 

Lange: „Ja, Fotografien dieser Art laufen unter dem Namen Urban Exploration, kurz Urbex. Dabei geht es darum, seine Umgebung und Gebäude oder Orte zu entdecken. Meine Freundin und ich sind das Urbex Team Höxter und veröffentlichen unsere Bilder zum Beispiel in unserem Profil auf Facebook. Die Seite gibt es mittlerweile seit einem Jahr.“

GP: „Wann hat Ihr Interesse für die Fotografie begonnen?“

Lange: „Ich bin mit sechs oder sieben zum ersten Mal in Bad Driburg durch das verlassene Kinderheim gelaufen. Das ist oben am Stellberg, in der Nähe des Friedhofs. Das Haus hat mich dann gepackt und ich habe mir angeschaut, wie es mehr und mehr verfällt. Irgendwann wollte ich es dann auf Bildern festhalten und habe mir eine ganz einfache Digitalkamera für 29 Euro gekauft. So ging es los. Dann wurden die Handykameras besser und ich konnte auch mal Schnappschüsse zwischendurch machen.“

GP: „Was reizt Sie an den Lost Places?“

Lange: „Der Verfall. Das sind oftmals vergessene Orte, an denen die Natur ihren Lauf nimmt. Die Veränderungen, die sich aus dem langsamen Verfall der Gebäude ergeben, sind der Reiz. Ich denke da zum Beispiel an ehemalige Häuser aus DDR-Zeiten im Harz. Es ist genial, wie die Häuser mittlerweile aussehen. Natürlich ist es nicht ganz ungefährlich, dort herum zu laufen. Aber wir versuchen vorsichtig zu sein und das Risiko zu minimieren.“

GP: „Wie läuft eine Tour zeitlich ab?“

Lange: „Wenn wir losfahren, treffen wir uns meistens noch mit einem Kollegen samstags morgens um 5 Uhr. Dann wird erst einmal Kaffee getrunken und das Thema geplant. Wir schauen, welche Orte wir an dem jeweiligen Ziel noch nicht besucht haben. Um 6:30 Uhr fahren wir meistens mit unserem Equipment los und sind gegen Mitternacht mit vielen Fotos im Gepäck wieder zuhause.“

GP: „An welchen Orten waren Sie schon?“

Lange: „Im Ruhrgebiet, Duisburg, Essen, Dortmund, Datteln, Krefeld. Den Harz haben wir auch schon komplett durch. Die Region hier natürlich.“

GP: „Gibt es auch Grenzen oder betreten Sie die Orte ohne Kompromisse?“

Lange: „Auf gar keinen Fall. Wir haben eine klare Linie. Ist ein Ort offen, gehen wir rein. Ist ein Ort zu, dann bleibt er zu. Ein Einbruch kommt für uns nicht in Frage. Wir wissen, dass wir uns immer noch in einer Grauzone bewegen, aber wir wollen den Ort so verlassen, wie wir ihn vorgefunden haben. Es gibt, wie überall, auch in der Urbex-Community Leute, die es anders sehen. Sie brechen Türen auf und schlagen Fensterscheiben ein. Da hat man ruckzuck Ärger und es zieht alle anderen Aktiven in ein negatives Licht. Das ist es nicht wert und das wollen wir nicht. Man darf auch den nötigen Respekt vor dem Ort und natürlich auch dem Besitz und dem Wert des Ortes nicht verlieren. Die Orte sollen in Ruhe verfallen dürfen.“

GP: „Werden deshalb viele Orte geheim gehalten?“

Lange: „Normalerweise bleiben die Orte geheim und werden nur im Vertrauen weitergegeben. Aus Gründen, die ich oben schon genannt habe. Wir wollen die Orte so verlassen, wie wir sie vorgefunden haben. Es gibt aber auch Urbex-Gruppen, die Informationen zu Orten für ein paar Euro verkaufen. Da machen wir aber nicht mit.“

GP: „Wie viel Bearbeitung steckt noch in den Bildern?“

Lange: „Das kommt darauf an. Bei der einsamen Bank im Gräflichen Park habe ich mehrfache Belichtungen angewendet. Da steckt schon viel Bearbeitung hinter. Ebenso bei den Lost Place-Bildern, damit dort die Details alle gut sichtbar werden. Ich nehme die Bilder allesamt im RAW-Format auf, da sie so super zu bearbeiten sind. Als Licht habe ich ab und an mal eine Taschenlampe mit. Ich möchte mir das originale Lichtverhältnis und die Dunkelheit behalten.“ 

GP: „Zu welchen Orten möchten Sie noch fahren?“

Lange: „Zu sehr vielen. Wenn es danach geht, dann wäre ich am liebsten jeden Tag unterwegs. In Sachsen gibt es noch viel zu entdecken. Die Heilstätten in Beelitz reizen mich ebenso. Es gibt auch noch jede Menge Schlösser und Burgen. Es können auch Orte sein, die noch genutzt werden. Uns fällt schon etwas ein.“

Ein Gedanke zu „Andreas Lange streift durch die Dunkelheit

  1. Wunderschöne Aufnahmen von Andreas Lange!
    Diese Licht und Schatten Details liebe ich so sehr.
    Ja es macht viel Arbeit, im Dunklen solche prächtigen Fotografien zu zaubern, um uns zu zeigen.

    Herr Lange, die östlichste Stadt Sachsens – Görlitz, ist auch eine Reise wert für Ihre Kamera.
    Auch die historische Altstadt ist wunderschön am Tag, in der Blauen Stunde (Dämmerung) und auch Nachts.
    Die Görlitzer Peterskirche:
    https://www.flickr.com/photos/klaus_specht/albums/72157647040227577

    Danke für den guten Beitrag
    Hat Herr Lange auch eine Webseite?

    Klaus Specht

    http://www.goerlitz-bild.com

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